Ich habe mich als Kind nie irgendwo zugehörig gefühlt.
Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Trotzdem würde ich mich nicht mehr als Deutsche bezeichnen.
Mein Vater ist Iraner, und das sieht man mir an. Ich habe dunkle Haare, dunkle Augen und eine Nase, die gar nicht deutsch sein kann.
Als Kind wurde ich immer gefragt, woher ich komme. Wenn ich sagte, ich sei Deutsche, kam die Frage, woher ich denn wirklich komme oder woher meine Eltern denn kommen würden.
Egal wie oft ich wiederholte, Deutsche zu sein – denn das war das einzige Land, das ich damals kannte –, die Menschen gaben sich mit meiner Antwort nicht zufrieden.
Man sah mir das Nichtdeutschsein von Weitem an. Und ich spürte es bei jeder Begegnung umso mehr.
Oft wurde ich auf der Straße einfach auf Türkisch angesprochen, weil viele Menschen dachten, ich sei Türkin. Und wenn ich auf Deutsch antwortete, kam wieder etwas auf Türkisch zurück. Scheinbar nahmen auch sie mir das Deutschsein nicht ab.
Jede dieser Begegnungen machte mich immer schüchterner. Als Kind traute ich mich kaum mehr, etwas zu sagen. Ich fühlte mich klein und wurde trotzdem gesehen. Ich wollte mich verstecken, aber fiel immer auf.
Je älter ich wurde, desto mutiger wurde ich. Manchmal beharrte ich darauf, Deutsch zu sein, manchmal verriet ich meine Herkunft einfach nicht.
Denn mit Stolz konnte ich nie über meine Wurzeln sprechen. Das Land meines Vaters hatte ich bis dahin nie gesehen.
Als ich klein war, gab mein Vater sein Bestes, mir seine Kultur nahezubringen. Er sprach Farsi mit mir und brachte mir die persische Schrift bei – oder versuchte es zumindest.
In beiden Fällen war er nicht besonders erfolgreich, denn ich hatte keinerlei Interesse dran.
…
Hier endet der frei zugängliche Teil.

