Neulich saß ich mit meinem Mann am Küchentisch, und wir haben herzlich gelacht.
Wir haben über Reparaturen geredet, die gerade bei uns anstehen, und dabei ging es um Wasserrohre, genauer um das Rohr unter dem Spülbecken.
Irgendwie kam mir der berühmte Satz aus einem schlechten Pornofilm in den Sinn: „Darf ich bei dir ein Rohr verlegen?“
Lustigerweise kannte mein Mann solche Szenen. Banale Alltagsszenen in Pornos, die sich ganz plötzlich und unrealistisch in eine Sexszene verwandeln.
Mir fielen weitere Szenen ein, und wir lachten uns kaputt. Es wurde ein ziemlich heiteres Frühstück.
Bis mein Mann auf einmal sagte: „In Indonesien denken viele, dass es bei euch wirklich so ist.“
Ich horchte auf. Hatte ich doch selbst schon unschöne Erfahrungen hier gemacht.
Ich entgegnete, dass Pornos in Indonesien doch eigentlich verpönt und verboten seien. Er aber meinte, dass es kein Problem wäre, an welche zu kommen, und dass bestimmt jeder irgendwann mal einen sehen würde. „Film Blue“ werden sie hier anscheinend genannt.
Das Gespräch wurde auf einmal ernst.
Er erklärte, dass viele der Pornos aus dem Westen kommen und hauptsächlich westliche Frauen und Männer zeigen – und dass genau das der Grund sei, warum viele denken würden, wir Frauen (und Männer) seien leicht zu haben.
Mein Mann erzählte, dass er selbst erst durch mich gelernt habe, dass wir nicht so freizügig leben, wie es in manchen Filmen dargestellt wird. Dass wir nicht jederzeit und mit jedem Sex haben und durchaus Wert auf Treue legen.
Er hatte immer gedacht, wir würden in Saus und Braus leben, keine Beziehungen eingehen und jederzeit leicht zu haben sein.
Erst bei seinem ersten Besuch in Deutschland konnte er sich selbst davon überzeugen, dass wir ernsthafte Beziehungen eingehen (können) und dabei nicht den ganzen Tag an unser körperliches Vergnügen denken.
Ich sah ihn an. Das war mal wieder ein Moment, in dem ich auch nach Jahren in Indonesien überrascht war.
„Die Menschen denken wirklich, dass wir so leben wie in den Filmen?“
Ich zögerte – und doch machte es irgendwie Sinn.
Schließlich war Indonesien ein relativ traditionelles Land, in dem nackte Haut und Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit nicht gerne gesehen waren.
Und trotzdem hatte ich als Frau schon ein paar unangenehme Erlebnisse gehabt.
Ich wurde am helllichten Tag auf der Straße offen von einem Fremden angesprochen, ob ich Lust auf Sex hätte. Ein anderes Mal hatte ein Fremder auf einem Waldweg seine Weichteile entblößt. Ein drittes Mal versuchte nachts jemand erfolglos, in mein Apartment zu kommen – während ich schlief.
Keine dieser Erfahrungen hatte ernsthafte Folgen für mich gehabt – zum Glück.
Und doch war ich damals überrascht gewesen. Denn in diesem Land hätte ich solche Übergriffe nicht erwartet.
Das, was mein Mann mir erklärte, ergab also durchaus Sinn.
Wer weiß, ob diese Männer so offen auf einheimische Frauen zugegangen wären.
Du möchtest keine Kolumne mehr verpassen? Abonniere sie und erhalte sie zweimal im Monat direkt per Mail!

