Banner der Kolumne "Gedanken im Gepäck" mit Gunda in tropischer Umgebung

Zwischen Mitgefühl und Ohnmacht

Ich habe ein großes Herz für Tiere.

In Indonesien wird es immer wieder auf die Probe gestellt.

In den Dörfern begegnen mir Straßenhunde und Straßenkatzen. Sie sind dünn, haben stumpfes Fell, Verletzungen oder Krankheiten. Sie fressen, was sie auf der Straße finden können.

An deren Anblick habe ich mich mittlerweile gewöhnt.

Schwieriger wird es, wenn ich eingesperrte Tiere sehe.

Hinter einem Warung sah ich einen kleinen Käfig mit drei Perserkatzen. Ihr eigentlich schönes langes Fell war verschmutzt, und es roch unangenehm. Eingepfercht lagen sie da und schauten mich gelangweilt an.

Im Hinterhof eines anderen Ladens hing ein kleiner Affe an einer Kette. Er konnte gerade so um einen Baum herumhüpfen und schnatterte mich aggressiv an, als ich näherkam.

Im Haus unserer ehemaligen Nachbarn habe ich einen wunderschönen Papagei entdeckt, der wie eine Lampe unter der Decke baumelte – angebunden an einen Holzstab, der mit Seilen festgemacht war.

Ich dachte, das wäre ein Einzelfall, bis ich in weiteren Hütten Papageien entdeckte.

Dabei hatte ich mich gewundert, warum im Dschungel keine mehr zu sehen sind.

Besonders nah geht mir das Schicksal einer kleinen Schildkröte.

Auf der Nachbarinsel bei unserer befreundeten Familie entdeckte ich hinterm Haus eine große Plastikschüssel. In ihr lag, bedeckt mit Wasser, eine Schildkröte. Sofort machte mein Herz einen kleinen Sprung.

Die Kinder hatten sie vor einiger Zeit am Strand gefunden. Damals war sie noch sehr klein. Doch statt sie ins Meer zu bringen, brachten sie sie einfach nach Hause. Seitdem lebt die Schildkröte in der Plastikschüssel.

Am meisten überrascht mich jedoch, an offiziellen Gebäuden Käfige hängen zu sehen. In ihnen sitzen nicht nur Papageien, sondern auch Kakadus und andere Vogelarten.

In solchen Momenten fühle ich mich machtlos und leide mit den Tieren. Mein erster Impuls ist immer, ihnen zu helfen – und danach die Menschen über ihr Verhalten zu belehren.

Doch je länger ich hier lebe und je mehr Tierleid ich sehe, desto klarer wird mir, dass ich nicht allen helfen kann.

Und ich bezweifle, dass ich damit einen Unterschied machen kann.

Straßenhunde und -katzen vermehren sich rasend schnell.

Der angeleinte Affe kann in der Wildnis nicht überleben.

Ähnlich wird es den Vögeln und der Schildkröte gehen.

Es schmerzt, sie so zu sehen, aber ich habe aufgehört zu kämpfen – da, wo ich nichts bewirken kann.

Mir bleibt das, was ich jetzt in meinem Umfeld tun kann.

Meine eigenen Tiere gut behandeln – für alles andere fehlt mir die Kraft.

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