Eigentlich glaube ich nicht an Magie. Eigentlich.
Seit ich in Indonesien lebe, komme ich aber oft damit in Berührung. Und ich kann mich nicht entscheiden, was ich glauben soll und was nicht.
Unsere Inselregion, die Molukken, sind bekannt für Magie, Ahnenkult und spirituelle Praktiken. Als wir noch in Papua lebten – ebenfalls stark vom Animismus geprägt –, tuschelten Locals über die Molukken. Mit Respekt – und Angst vor schwarzer Magie.
Wie stark dieser Aberglaube verbreitet ist, habe ich erst in den letzten Jahren gemerkt.
Es gibt hier Zauber, die beschützen. Und solche, die bestrafen.
Wir kennen den einzigen „Dukun“ in unserer Region ziemlich gut. So wird die Person genannt, die sich mit solchen Dingen auskennt.
Er lebt auf einer kleinen, benachbarten Insel und wird von vielen Locals respektiert, von manchen sogar gefürchtet – denn er ist zuständig für Flüche, Rituale und Schutzzauber in der Region.
Er hat einen beeindruckenden Wissensschatz über medizinische Pflanzen, einen Zugang zur Ahnenwelt, einen trockenen Humor – und trinkt gerne hausgebrannten Schnaps. Mit seiner dünnen Statur und allen fehlenden Zähnen wirkt er älter, als er ist.
Auch wir haben uns von ihm schon mehrmals magische Unterstützung geholt.
Vor unserem Einzug haben wir das Grundstück segnen lassen, damit uns die Geister des Dschungels wohlgesinnt sind und uns keine unangenehmen Störungen erwarten.
Über unserer Haustür brachte er eine kleine Wurzel an. Eine Glasflasche, gefüllt mit Wasser und weiteren Wurzeln, vergrub er in der Erde. Dabei murmelte er Sprüche in einer mir unbekannten Sprache.
Einen weiteren Schutzzauber haben wir neben unserer Haustür aufgehängt: zwei Kokosnussschalen, die mit weißen Zeichen bemalt sind. Dieser Zauber soll das Haus und alles darin vor bösen Absichten schützen.
Viele Locals glauben daran – allein dass so ein Zauber an einem Ort hängt, hält viele davon ab, etwas Unerwünschtes zu tun.
Ein Zauber beschäftigt mich besonders, weil es in letzter Zeit immer wieder Vorfälle damit gibt: Die Locals nennen ihn Mata Kao – „das Auge, das Schaden bringt“.
Es ist ein spezieller Schutzzauber für Bäume, Felder und Grundstücke, der jeden, der etwas von diesem Ort nimmt, mit Unheil bestraft.
Manchmal ist dieser Zauber klar erkennbar, dann hängen irgendwo Kokosschalen oder Holzstücke. Manchmal wird der Zauber auch unsichtbar mit Wasser und Sprüchen angebracht.
Als vor ein paar Wochen ein Local von seinem Nachbarn Bananen gestohlen hat, schwoll einer seiner Hoden schmerzhaft an. Als er kaum noch gehen konnte, fuhr er zum Dukun, der den Zauber angebracht hat. Denn – so ist der Glaube – nur dieser kann ihn von dem Fluch heilen.
Ein Arztbesuch, so heißt es hier, würde keine Besserung bringen. Nur der Verantwortliche des Zaubers kann den Verfluchten von seinem Leid erlösen.
Ich habe lange gedacht, dass es der Glaube daran ist, der eine körperliche Reaktion auslöst: Denn wer glaubt, verflucht zu sein, wird oft tatsächlich krank.
Doch eine Geschichte dazu haben unser Freund, der Dukun, und seine Frau erzählt:
Seine Frau, die nie an Magie und Zauber geglaubt hat, hat vor vielen Jahren Kokosnüsse von ihrem Feld geholt. Was sie nicht wusste: Ihr Mann hatte das Feld zum Schutz mit einem Fluch belegt.
Kurze Zeit später schwoll eine ihrer Brüste stark an und wurde so schmerzhaft, dass sie es kaum mehr ertragen konnte. Ihr Mann fragte sie, was sie getan hatte. Nachdem sie es erzählt hatte, war ihm sofort klar: Die Schmerzen konnten nur von seinem Zauberfluch kommen.
Kurze Zeit später heilte er sie – wie durch ein Wunder.
War das ein unglücklicher Zufall oder steckt doch mehr dahinter?
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