Banner der Kolumne "Gedanken im Gepäck" mit Gunda in tropischer Umgebung

Sonntags im Warung

Vor ein paar Tagen saß ich in einem Warung an der Straße, ein Teller mit Reis und Gemüse vor mir.

Es war Sonntag, und die Straßen waren überfüllt. Der Verkehr rauschte vorbei, Motorräder knatterten laut, und der Geruch von Abgasen hing in der Luft.

Es gab einen Innenraum, aber ohne Ventilatoren. Hier außen bekam ich hin und wieder eine kühle Brise ab und konnte das Treiben auf der Straße beobachten.

Ich versuchte, den Lärm auszublenden und mich auf meinen Teller zu konzentrieren. Dabei bemerkte ich den schmalen Tisch, an dem ich saß.

Er war aus einzelnen Holzstücken zusammengenagelt, kein Teil passte zum andern, und seine Oberfläche war mit einer braunen Plastiktischdecke zugeklebt.

Ich saß auf einem benutzten Plastikstuhl, dessen Farbe ich nur erahnen konnte. Neben mir stand eine lange Glasvitrine, in der das Essen des Tages ausgestellt war. Dahinter summte ein kleiner Kühlschrank mit Kaltgetränken.

Ein junges einheimisches Pärchen kam auf einem Roller angefahren – keine Helme, nur Schlüssel in der Hand. Sie lächelte mir zu und setze sich kurz neben mich. Er bestellte, dann wanderten sie nach innen.

Ich schob mir einen Löffel in den Mund und blickte auf die Straße.

Junge Menschen fuhren auf ihren Motorbikes vorbei. Die wenigsten trugen Helme, manche schauten auf ihre Handys oder winkten sich beim Fahren zu.

Dazwischen sah ich eine Familie. Die Mutter saß hinter ihrem Mann auf dem Roller, zwischen ihnen zwei Kleinkinder. Beide grinsten über das ganze Gesicht, während ihr Vater sich geschickt durch den Verkehr schlängelte. 

Kurz danach kam ein Pick-up-Truck vorbei. Auf der Ladefläche lag eine Leiter, daneben saßen zwei junge Männer. Sie unterhielten sich und rauchten entspannt ihre Zigaretten, während der Fahrtwind ihre kurzen Haare durcheinanderwirbelte.

Ich musste schmunzeln.

Genau das hatte mich vor vielen Jahren an Asien so fasziniert.

Die Besitzerin des Warungs kam zum Tisch und füllte das Besteck auf. Mit dem Teddybär auf ihrem übergroßen pinken Kleid wirkte es, als hätte sie ein Nachthemd an. Sie lächelte mich kurz an und verschwand wieder in ihrem Haus.

Ich lehnte mich zurück und merkte, dass die Plastiklehne nachgab. Sofort setzte ich mich wieder aufrecht hin.

Auf einmal machte sich ein warmes Gefühl in mir breit, das ich lange nicht mehr gespürt hatte. Denn die letzten Monate hatte ich einfach nur weggewollt – genervt, erschöpft und fertig mit diesem Land.

Was ich jetzt spürte, war Leichtigkeit und eine Faszination für dieses Land, das einfach so vollkommen anders war. Bei uns wären solche Anblicke undenkbar gewesen.

Wie konnte ich ein Land hassen, in dem es so viele verrückte Dinge gab? Und das mich trotz aller Schwierigkeiten immer wieder zum Schmunzeln brachte?

Außerdem hatte mir dieses Land die wichtigste Person in meinem Leben geschenkt.

Mit einem warmen Gefühl im Bauch stand ich auf und bezahlte. Mein Essen kostete umgerechnet etwa 65 Cent.

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